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Ronald Schober | GALKA SCHEYER IN AMERIKA, Theater Zeitraum
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GALKA SCHEYER IN AMERIKA, Theater Zeitraum

Galka Scheyer in Amerika (1924-1945).

 

Dokumentarische Aufführung von Gilbert Holzgang
Theater Zeitraum – Braunschweig

 


Die Aufführung zeichnet den Weg nach, den Galka Scheyer, die tempera-
mentvolle Braunschweiger Kunstvermittlerin, ging, als sie sich von 1924
an vor wiegend in den Vereinigten Staaten aufhielt und versuchte, die Maler-
gruppe Die Blaue Vier bekannt zu machen.


Wir sehen Galka Scheyer und die Maler Lyonel Feininger, Alexej von Jawlens-
ky, Wassily Kandinsky und Paul Klee beim Schreiben und Lesen von Briefen
und erleben mit ihnen das dramatische Auf und Ab, das sie wie alle Men-
schen in Amerika und Europa bis 1945 durchmachten. Der Idealismus Galka
Scheyers und der Künstler überlebte die schlimmsten Krankheiten, Krisen
und Kriegsereignisse.

 


Zahlreiche Abbildungen von Gemälden, Fotos und historische Filme sind in
der Aufführung zu sehen. Sie ist als biographische Fortsetzung der Theater
Zeitraum-Produktion Galka Scheyers Fotoalbum von 2019 zu verstehen.
Beide Stücke entstanden in der Hoffnung auf Informationen über Bilder von
Galka Emmy Scheyer (Renée) und ihren Freundinnen und Freunden Käthe
Evers, Albert Hamburger und Gustav Lehmann.

 

Die Mitwirkenden und ihre Rollen:

 

Kathrin Reinhardt: Galka Scheyer
Jürgen Beck-Rebholz: Lyonel Feininger
Andreas Döring: Wassily Kandinsky
Ronald Schober: Paul Klee
Hans Stallmach: Alexej von Jawlensky

Gilbert Holzgang Dramaturgie, Regie, Ausstattung
Christian Dootz Videobearbeitung

 

Premiere: 13. Oktober 2021, 19.30 Uhr im Gliesmaroder Thurm, Braunschweig.

 

 

Kritik in der Braunschweiger Zeitung:

Regine Nahrwold am 16. Oktober 2021

„Theater Zeitraum“: Premiere „Galka Scheyer in Amerika“

Foto: Klaus G. Kohn

Im Mai 1924 trifft sie in New York ein, und sie brennt darauf, als „Ministerin“ für ihre „vier blauen Könige“ den amerikanischen Kunstmarkt zu erobern: Emmy Galka Scheyer, Malerin aus Braunschweig, die sich seit ihrer schicksalhaften Begegnung mit Alexej von Jawlensky 1916 mit Herz, Haut und Haaren für die Vermarktung von dessen Kunst einsetzte. Im März 1924 nahm sie auch die Maler Paul Klee, Wassily Kandinsky und Lyonel Feininger unter ihre Fittiche und gründete die Künstlergruppe „Blaue Vier“.

Nun hatte das neue Stück von Gilbert Holzgangs dokumentarischem „Theater Zeitraum“ Premiere, „Galka Scheyer in Amerika“; es zeichnet den Weg der leidenschaftlichen Kunstvermittlerin in den Vereinigten Staaten anhand ihres Briefwechsels mit den Künstlern nach.

Und was für Briefe! Man bedauert den Untergang einer solchen Kultur in den Zeiten von E-Mail, SMS und WhatsApp. Das Wunderbare an der Inszenierung: Da die Schauspieler diese Briefe im Wechsel höchst ausdrucksvoll sprechen, hört man einem lebendigen Gespräch zu, mal einem Dialog, mal einem Terzett oder Quintett.

Anfang August 1924 schreibt Galka (Kathrin Reinhardt), sie habe in der öffentlichen Bücherei in acht Tagen 1000 Adressen von Galerien und Museen abgeschrieben und verschicke nun Briefe an diese. „An alle schreiben und das Schicksal für sich arbeiten zulassen – das ist die amerikanische Art zu arbeiten. That gives me a chance.“

Galka gehört der Vordergrund der Bühne, die an Bauhaus-Architektur und die abstrakte Malerei des russischen Konstruktivismus erinnert. Vorn bildet sachliches, weißes Mobiliar ein Interieur, in dem sie spricht und agiert. Die Herren im fernen Europa treten für ihren Part jeweils aus den schwarzen Kulissen hervor. Sie tragen graue Anzüge, Galka dagegen leuchtet im roten Kleid. Der Ton ihrer Briefe ist fast durchweg von Begeisterung, ja Euphorie getragen. „Man darf nicht weinen oder Sehnsucht haben – die Idee ist alles!“ Unermüdlich hält sie…

… als Pionierin für ihre „Blaue Vier“ Vorträge, bemüht sich um Ausstellungen und Verkäufe. „Es ist so lebensbejahend, Pläne zu machen. Luftschlösser retten vor Müßiggang und Mutlosigkeit.“ Tanzend berichtet sie vom Erfolg ihrer Vorträge. Wenn es um Preisverhandlungen geht, muss hüben wie drüben das Telegramm her, und Galka muss schon mal umständlich den Ortsnamen „Umpferstedt“ ins Telefon buchstabieren.

Derweil harren in der Heimat die Herren Künstler der Verkäufe, sie alle brauchen Geld, das Leben im Nachkriegsdeutschland ist schwierig. Klee (Ronald Schober) vermisst den versprochenen Malkasten. Jawlensky (Hans Stallmach) klagt: „In meine Bilder von Köpfen lege ich all meine Liebe, aber die Menschen verstehen sie nicht.“ Feininger (Jürgen Beck-Rebholz) befindet bitter: „Die Leute kaufen nur Kitsch.“ Er berichtet 1925 vom Umzug des Bauhauses von Weimar nach Dessau, und Kandinsky (Andreas Döring) schreibt: „Wir wohnen hier herrlich im neuen Meisterhaus unter Bäumen.“ Die Briefe der vier zeugen aber auch von Dankbarkeit und Hochachtung für ihre „Ministerin“.

Der Schwerpunkt des Stücks liegt auf den 1920er Jahren; im Zeitraffer geht es durch Galkas Europareisen und ihre Asienreise um 1930. Der zweite Teil behandelt ihre Zeit in Hollywood von 1934 bis zum Tod 1945. Mit einem grazilen Tanz, bei dem sie einen großen, schwarzen Schatten auf die Bilder ihrer vier Könige wirft, tritt Galka von der Bühne (des Lebens) ab. Kathrin Reinhardt spielt sie umwerfend, mit nie nachlassender Spannung vom ersten bis zum letzten Moment.

Wie immer bei den Aufführungen des „Theaters Zeitraum“ spielt auch die Musik eine große Rolle: kenntnisreich ausgesuchte Tanzmusik der „Golden Twenties“, Swing der 30er und 40er Jahre, aber auch Emmy Scheyers Lieblingskomponisten Bach, Mozart und Beethoven kommen zum Zuge. Zahlreiche Abbildungen von ausgewählten Gemälden sowie Fotos und Filme (Videobearbeitung: Christian Dootz) veranschaulichen den (kunst)historischen Hintergrund von Galkas Ankunft in Amerika bis zum Nationalsozialismus und zum Zweiten Weltkrieg.

Heftiger Applaus für Gilbert Holzgang (Dramaturgie, Regie, Ausstattung) und sein tolles Ensemble. Den nächsten Aufführungen sind noch viele begeisterte Zuschauerinnen und Zuschauer zu wünschen. (Weitere Termine in der Gaststätte „Gliesmaroder Thurm“: 13., 15., 29., 30. Oktober, 3., 5., 6. November um 19.30 Uhr, 7. November um 11 Uhr; Reservierungen unter gilbert.holzgang@t-online.de, Vorverkauf bei Musikalien Bartels.)

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