Väterfreuden mit Christkind
„Ox & Esel“ sind neu im Braunschweiger Wintertheater: reizendes Kinderstück
von Andreas Berger, Braunschweiger Zeitung vom 8. Dezember 2025
Die Braunschweiger Weihnachtsgeschichte läuft bald zum 250. Mal, fein mit Maria und Josef, Krippe und Schafen, aber wo sind da Ochs und Eselein? Fehlanzeige. Das musste sich ändern.
Schauspieler Ronald Schober hat Norbert Ebels reizendes Erfolgsstück „Ox & Esel“ nun sehr einfühlsam und pointiert im Wintertheater hinter St. Martini inszeniert.
Erzählt wird die Weihnachtsgeschichte da ganz kindgerecht, aber auch mit vielen Anspielungen amüsant für die Erwachsenen aus Sicht von Ochs und Esel, die aber irgendwie auch an menschliche Zeitgenossen erinnern. Da ist Ox, der in schwarzer Lederjacke und Helm wie ein Motorradrocker aussieht, und Esel in seiner grauen Strickjacke und der Kuschelmütze wie der Junge vom Ökohof. Die Hörner am Helm, die aufgestellten Ohrwärmer an der Mütze erinnern trotzdem an die Tiere. Ox und Esel wohnen als Männer-WG im Stall, aber plötzlich liegt ein Findelkind im Futtertrog, in dem Ox gerade seine Spaghetti schlabbern wollte. Die WG ist also auch etwas menschlich und aktualisiert, aber das macht gerade den Kindern Freude, erst recht als das ausgelaufene Jesuskind trockengeleckt statt trockengelegt wird, iih. Aber klar wird auch: Die beiden kümmern sich nach Kräften. Nach den ersten Zankereien in dieser Männerwirtschaft „Das Kind oder ich!“ sagt Ox ultimativ, aber als Esel es dann versteckt, macht er sich genauso Sorgen, was aus dem armen Wurm draußen in der Kälte werden würde. Es bleibt. Sie holen bei den Kühen nebenan Milch, schaukeln den Futtertrog und singen sogar ein Schlaflied zum Akkordeon.
Björn Jacobsen spielt den Macker-Ox mit dem weichen Herzen schön giftig, vorwurfsvoll und beleidigt, verteidigt das Kind dann aber mannhaft vor dem Soldaten, der für den König Herr Rodes kleine Babys einsammelt, um sie zu fressen. Und Ronald Schober spielt so liebevoll wie listig den Esel, der genau weiß, wie er den Ox immer wieder besänftigen und auf seine Seite ziehen kann. Ein eingespieltes Paar.
Denen würde man sein Kind gern anvertrauen, ob es nun Ochs, Esel, zwei Männer oder zwei Frauen sind, oder sonst zwei wildfremde, aber herzensgute Partner. Und wenn es nun nicht das Jesuskind ist und Josef und Mathilda (oder Maria oder so) nicht kommen, es wieder abzuholen? – Dann wollen sie es auf jeden Fall behalten, sind sich die beiden einig. Genau dafür hat Gott Weihnachten gemacht!


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