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Ronald Schober | INSZENIERUNG „Mein Freund Harvey“ von Mary Chase für die Freie Bühne Braunschweig 2016
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INSZENIERUNG „Mein Freund Harvey“ von Mary Chase für die Freie Bühne Braunschweig 2016

MEIN FREUND HARVEY von Mary Chase für die Freie Bühne Braunschweig

Premiere am 22.10.2016 in der Brunsviga

Braunschweiger Zeitung vom 29.10.2016 von Ute Steffens

Trubel um unsichtbaren Hasen

„Die Freie Bühne Braunschweig unterhält prächtig mit der Komödie „Mein Freund Harvey“.

Veta (Petra Freywald) und ihre Tochter Myrtle (Gesa Kern) sind konsterniert: Bruder Elwood schwört auf unsichtbare Hasen. Der liebenswerte Kauz Elwood Dowd hat einen kindlichen Spleen: Er behauptet, ein unsichtbarer zwei Meter großer weißer Hase namens Harvey sei sein ständiger Begleiter. Seine Schwester Veta macht Elwood damit ganz kirre: Sie fürchtet um ihr gesellschaftliches Ansehen – und die Heiratspläne ihrer Tochter Myrtle Mae.

Die Freie Bühne Braunschweig führte die Pulitzer-Preis gekrönte Komödie „Mein Freund Harvey“ von Mary Chase jetzt im Studiosaal der Brunsviga auf. Das zeitlose Plädoyer für Toleranz spielt, wie auch die Kostüme nahelegen, in den 1940er Jahren, just in der Zeit also, als Mary Chase es schrieb. Und es interessiert immer noch, wie die ausverkaufte Premiere vor einem überraschend jungen Publikum zeigte.

Veta und ihre Tochter entscheiden sich, Elwood in eine psychiatrische Anstalt einzuweisen. Damit fangen die Verwicklungen und Verwechslungen um Elwood und Harvey, seinen ständigen unsichtbaren Begleiter, erst richtig an. Bis Veta nach vier turbulenten Akten ihren Bruder endlich so akzeptieren kann, wie er ist.

Deutlich merkt man dem Laien-Ensemble die Arbeit mit Profi-Regisseur Ronald Schober an. Da wird nicht nur der Text gesprochen, sondern Vordergründiges und Hintersinniges durch gezielten Einsatz von Körpersprache und Mimik glaubwürdig unterstrichen. Da steht auch niemand unbeteiligt auf der Bühne herum, während die anderen ihren Einsatz haben.

Selbst der Umbau zwischen den Schauplätzen gerät zum Augenschmaus. In rotes Licht getaucht wie eine Dunkelkammer, sitzt jeder Handgriff. Alle sind beteiligt. Ein zielgerichtetes Gewusel, unterlegt von knisterndem Swing aus einem Grammophon, verwandelt das Wohnzimmer der Dowds schnell in die psychiatrische Klinik und wieder zurück.

Hauptdarsteller Christan Böttrich kauft man den naiv freundlichen Elwood ebenso ab wie seiner sehr präsenten Gegenspielerin Petra Freywald die Rolle seiner Schwester Veta.

Berührend auch der Auftritt des ruppigen alten Taxifahrers (Heinz Salbach) im letzten Akt. Weiß dieser doch in typisch Braunschweiger Sprechmanier mit kehlig gekratzem „R“ traurig zu berichten, dass die Behandlung mit Psychopharmaka seine Patienten-Fahrgäste aus der Klinik regelmäßig ihrer Lebenslust und Individualität beraube.

Nach der Verbeugung zum Schlussapplaus öffnet sich die Reihe der elf Schauspieler in der Mitte. Christian Böttrich alias Elwood weist in den hinteren, leeren Bühnenraum, der Beifall des Publikums brandet unter Lachen merklich auf: Applaus auch für Harvey!

Dem können wir uns nur anschließen.“

 

 

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