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Ronald Schober | FRANKENBERG – Produktion des Theater Zeitraum
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FRANKENBERG – Produktion des Theater Zeitraum

Gerhard von Frankenberg – ein Freigeist aus Braunschweig
Eine szenische Collage.

Premiere am 2. Sepzember 2017

mit: Kathrin Reinhardt, Hans Stallmach und Ronald Schober

Dramaturgie, Regie, Ausstattung: Gilbert Holzgang

 

 

aus der Kritik der Braunschweiger Zeitung (Regine Nahrwold):

„Meine Auffassung von Ritterlichkeit ruft mich an die Seite derer, die ich für unterdrückt und hilfsbedürftig halte.“ So erklärt Gerhard von Frankenberg, als Sozialist das schwarze Schaf des Familienverbandes, 1921 seinen Austritt aus demselben. (…)

Diesem Freigeist aus Braunschweig hat Gilbert Holzgang mit seinem dokumentarischen „Theater Zeitraum“ nun sein 30. Stück gewidmet. In 100 Minuten entfalten er und die Schauspieler Kathrin Reinhardt, Hans Stallmach und Ronald Schober ein Lebensbild von der Weimarer Republik über die Nazizeit bis zu den Notstandsgesetzen der 1960er Jahre – für Frankenberg ein verschleiertes Ermächtigungsgesetz.

Aus elf Regalmetern Nachlass hat Holzgang Passagen aus Tagebüchern, Briefen und Publikationen ausgewählt, die er geschickt dramatisiert, mit Fotografien und Filmen hinterlegt und mit Musik untermalt. So begleitet ein hinreißender Schostakowitsch-Walzer das Gedicht „Paradies“, das Frankenberg für seine Braut schrieb. Er kommt als Wissenschaftler und Politiker zu Wort, in Reden voller Pathos. Ein Höhepunkt der Inszenierung ist eine tumultuöse Landtagssitzung, in der er auf Dietrich Klagges von der NSDAP prallt. Toll auch ein Staccato von Worten des Nazijargons.

Zweimal schreibt Frankenberg einen ergreifenden Abschiedsbrief an Frau und Kinder. Den Tod zu fürchten, dazu hat er Grund genug: 1932 durch Klagges von seinem Lehrauftrag entbunden, 1933 aus dem Staatsdienst entlassen, muss er samt Familie eingeworfene Fenster, Verhaftungen, Denunziationen und Pöbeleien aushalten. Man zieht nach Hannover, wo er sich als Schriftsteller, Fotograf und Forscher betätigt. Im August 1944 wird er ins KZ Neuengamme gebracht, kurz darauf wieder entlassen und eingezogen. Nach Kriegsende nimmt er, voll rehabilitiert, seine Ämter in Braunschweig wieder auf und mokiert sich über die „Vergesslichkeit“ der Deutschen in einem Gedicht über „Heil, Hitler!“ plappernde Papageien – woher haben die das bloß?

Nach der Mondlandung schaut von Frankenberg als Marsbewohner auf den blauen Planeten hinab und sieht die Menschen als Kinder, die mit dem Rasiermesser spielen. Doch sein Glaube an Frieden und Brüderlichkeit wankt nicht. Begeisterter Applaus.

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